Gerold Tietz
Gerold Tietz.
Schriftsteller.
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Satiralien - Berichte aus Beerdita


S
charfzüngig-poetische Texte, mit denen Gerold Tietz, der - wie er selbst schreibt - "aus dem Lande des Jaroslav Hašek stammt" und "aus den böhmischen in die bayrischen Wälder geriet", dem Leser Lust macht "auf das Unbotmäßige und Aufmüpfige, Querdenkerische und Unangepasste".




A
utorenportrait Gerold Tietz:

"Zwischen den Stühlen lässt es sich gut schreiben Seine böhmischen Dörfer lassen den Esslinger Autor Gerold Tietz nicht los

'Leicht rebellisch', sagt Gerold Tietz von sich selbst, sei er schon immer gewesen. Politisch interessiert und engagiert, konnte er es nicht ertragen, dass über die wirklichen Zustände in seinem Geburtsland, dem heutigen Tschechien, 'so viel gelogen, vertuscht und verschwiegen wurde'. Als Sudentendeutscher wurde der 1941 in Horka geborene Autor mit seiner Familie aus Böhmen vertrieben, kam nach Jahren in Bayern schließlich nach Wurmlingen. Nach dem Abitur in Tuttlingen studierte Gerold Tietz Geschichte, Politik und Französisch, bevor der promovierte Historiker 1969 nach Esslingen zog, wo er bis heute mit seiner Frau, der Schriftstellerin Anne Birk, lebt. Mehr als 30 Jahre unterrichtete er am Gymnasium in Wendlingen.
In all dieser Zeit ließen ihn seine 'böhmischen Dörfer' nicht los: 'Je weiter ich mich von ihnen entfernte, umso mehr rückten sie mir zu Leibe.' Das Schreiben darüber war unvermeidlich. 'Die Geschichte der Vertreibung wurde zurechtgebogen, jede Seite beanspruchte die Wahrheit für sich.' Das schiefe Bild zurecht zu rücken, war ihm Antrieb. 'Ich will das Thema Heimat und Vertreibung nicht einigen Rechten oder Rechtsradikalen überlassen', sagt Gerold Tietz.
So erschien 1989 der Satirenband 'Satiralien, Berichte aus Beerita' (Alkyon Verlag), 1997 folgte im gleichen Verlag der Roman 'Böhmische Fuge', der vor kurzem neu aufgelegt und zudem ins Tschechische übersetzt wurde. Sein jüngster Roman 'Große Zeiten – Kleines Glück' ist jetzt im Info Verlag (Lindemanns Bibliothek) erschienen. Weil er über einen Raum schreibt, den er selbst nicht bewusst erlebt hat, sammelt Gerold Tietz akribisch Fakten, Daten, Erlebnisse. Berichte von Zeitzeugen, Briefe oder Zeitungsnotizen, aber auch Autobiografisches werden so zu einem dichten Bild einer zerstörten Kultur verwoben. Nicht das Eindeutige, Glatte, die Widersprüche interessieren Gerold Tietz: 'Ich will das schreiben, was in den Geschichtsbüchern nicht steht', sagt der Autor. Es gelte, die Vertreibung in einen Gesamtzusammenhang zu stellen. Das friedliche Miteinander von Deutschen, Tschechen und Juden steht im Zentrum seiner Werke: 'Die ganze böhmische Kultur wäre ohne diese Verflechtung nicht zu verstehen.' Und so dient ihm das Schreiben auch als Annäherung an eine verlorene Heimat, ist ein Herantasten an abgeschnittene Wurzeln – ohne Pathos oder Heimattümelei, dafür mit einem guten Schuss Ironie und Satire und dem kritischen Auge des Historikers.
Und doch hat Gerold Tietz immer die Menschen im Blick. Er zeigt, wie die Politik ins Privatleben von Menschen einbricht, ihr Zusammenleben wie auch sie selbst verändert und menschliche Beziehungen zerstört. Private Verwicklungen mischen sich mit politischen Verstrickungen.
Politisch hat sich Gerold Tietz schon früh engagiert, als Schüler und Student, später in Gewerkschaft, Kreisjugendring, als SPD-Gemeinderat und in Ausländervereinen. 'Ich bin auch einer, der nicht richtig dazugehört', sagt er, um gleich hinzuzufügen: 'Zwischen den Stühlen fühle ich mich wohl. Das ist für einen Schreibenden der angemessene Platz.'"

[Ulrike Rapp-Hirrlinger, Pressebüro Rapp-Hirrlinger, 22.9.2005]




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